Wie der Bahnhof Oerlikon prägte

Für viele Oerliker ist der Bahnhof Oerlikon ein Stück Heimat. Das ist historisch wohl nicht falsch, denn der Bahnhof steht am Anfang einer rasanten Entwicklung.

Dass der Bahnhof 1855 ausgerechnet auf Oerlikoner Gebiet zu stehen kam, war einem Zufall geschuldet. Als die private Nordostbahn die Eisenbahnlinie Romanshorn – Winterthur – Zürich projektierte, die zweite Linie nach der «Spanisch Brötlibahn», planten sie auch eine Station vor den Toren Zürichs. Zuerst sollten die Schwamendinger einen Bahnhof erhalten. Diese wollten aber ihr wertvolles Ackerland auf keinen Fall dafür hergeben. Also kam der Bahnhof auf den sumpfigen Weiden des Weilers Oerlikon zu stehen. Das erste Bahnhofsgebäude war nicht viel mehr als ein hölzerner Güterschuppen, die Bahnlinie war zweigleisig und der Gleisübergang mit der Hauptstraße nach Norden war ebenerdig.

Vom Weiler zur Industriestadt

Mit der Erschließung siedelte Fabriken auf dem Riedland hinter den Geleisen an und diese erhielten bald auch einen eigenen Gleisanschluss. 1876 entstand die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Sie beherrschte bald das wachsende Industrieareal. Tausende von Arbeitern strömten jeden Tag in die Werkhallen. Bei der Eröffnung des Bahnhofs hatte Oerlikon nicht viel mehr als 400 Einwohner. Es lag weit ab vom Bahnhof, beim heutigen Altersheim Dorflinde. Das Dorf wuchs nun rasant und richtete sich nach dem Bahnhof aus. Neue Strassen wurden angelegt, so etwa die Bahnhofstrasse, die nach der Eingemeindung 1934 zur Edisonstrasse wurde. Entlang der Strassen wuchsen in den Jahren 1880 bis 1910 vornehme, städtische Gebäude hoch. Auch um die Gleisanlagen setze eine rege Bautätigkeit ein. 1865 erhielt die Bahnstation ein erstes repräsentatives Gebäude, 1891 wurde eine Passarelle über die Gleise gebaut und 1907 entstand die Regensbergbrücke. Das bis heute noch erhalten Bahnhofsgebäude wurde schliesslich 1912 auf der Südseite der Gleisanlagen erstellt.

Die Bahn verändert Oerlikon – Oerlikon veränderte die Bahn

Oerlikon wurde nicht nur durch die Bahn geprägt, Oerlikon trug auch massgeblich zum Ausbau des modernen Eisenbahnnetzes in der Schweiz bei. Die Maschinenfabrik Oerlikon war Pionierin in der Stromerzeugung und im Lokomotivbau. Ihre Blütezeit erlebte sie mit der Entwicklung und dem Bau von elektrischen Bahnen und der Elektrifizierung des Bahnnetzes. Die Gotthardlokomotive «Krokodil», die heute vor dem PWC-Gebäude in Neu-Oerlikon steht, ist ein Zeitzeuge davon. Sie wurde in den Fabrikhallen in Oerlikon gebaut. Heute ist der Bahnhof Oerlikon der siebtgrösste Bahnhof der Schweiz.

Bild: Postkarte mit Bahnhof um 1907 mit Fabriken, Quelle Baugeschichtliches Archiv Zürich